Trainingslager vom 31.03. - 07.04.2007 in Italien
Rheinländer in der Ferne oder die Schlacht um Riccione
RICCIONE - Wolfgang Bender hatte zum Trainingslager gerufen und nicht wenige Athleten aus Kirn, Bad Kreuznach, Duchroth, Oderheim, Idar-Oberstein, Koblenz und Mayen waren seinem Ruf gefolgt, um sich die erste Woche der Osterferien mit zwei Mal Training pro Tag zu versüßen.
In guter Schichtarbeitermanier brach man zu frühmorgendlicher
Stunde so gegen ca. 4.00 Uhr in einem vollklimatisierten und -besetztem Reisebus gen
Süden auf. Nachdem Andreas und Herbert, unsere engagierten Buslenker, uns in die Technik
des sicheren Busfahrens eingewiesen hatten, hielten uns nur noch die Kampfgeräusche der
"Herr der Ringe"-Übertragung im buseigenen Heimkino vom wohlverdienten Schlaf
ab. Anfänglich. Doch dann bereitete sich selige Ruhe aus, während wir von den kommenden
Strapazen auf der Wurfanlage, im Stadion und im Kraftraum träumten. Zwischenstops kurz
vor der Schweiz, in der Schweiz und nach der Schweiz sorgten dafür, dass nicht nur die
Blutzirkulation angeregt, sondern auch der verschlafenste Schläfer aus seinen Träumen
gerissen wurde. Nachdem die 14 Stunden Bustransfer dann doch mal zu Ende gegangen waren,
standen wir plötzlich vor unserem Hotel. Herr Bender offenbarte nun seinen gewieften
Zimmerbelegungsplan und so manch einer konnte feststellen, wie viele Personen in so einem
Räumchen leben können. Auch die Erkenntnis, dass der Deutsche nach italienischen
Vorstellungen seinen Schrank nur mit einer Stehleiter benutzt, war ein erster wichtiger
Bestandteil unseres kulturellen Lernprozesses. Dieser Lernprozess sollte in den kommenden
Tagen noch enorm fortschreiten.
Beim Abendessen wurde uns zunächst klar, dass man die Deutschen nicht nur für Hünen
hielt, die gerne in Legebatterien - ähnlichen - Platzverhältnissen leben, sondern auch
für Wesen, die bei der Nahrungsaufnahme das Tempo einer Schnellfeuerpistole vorlegen. Das
Servicepersonal um Giovanni, Dragan, den Hüpfer", den bösen Onkel"
und Azubi versorgte uns reichlich mit Nahrung. Doch befand man sich am Ende eines Ganges
drohte Gefahr. Bei nahezu leerem Teller und vollen Backen geschah es des Öfteren, dass
die plötzlich aus dem Hinterhalt zupackende Hand eines sich scheinbar heranschleichenden
Kellners den Teller ergriff und den verzweifelt Kauenden zwang, den letzten Rest vom
Teller zu schlingen, um das Abräumen eben jenes Tellers zu gewähren.
Fazit des Tages:
Der Italiener denkt: Der Deutsche ist groß, isst schnell und
schläft gern in Besenkammern. Die befürchteten frühmorgendlichen Rufe des Muezzins
weckten uns nicht, denn die vermeintliche Moschee entpuppte sich als christliches
Gotteshaus. Je nach Qualitätsgrades des Bettes (da gab es enorme Schwankungen) mehr oder
weniger ausgeruht, konnten wir unser Frühstücksbuffet genießen. Mit dem Genuss war es
jedoch schnell vorbei, als der Fahrstuhl zum ersten Mal stecken blieb. Mit südländischer
Leichtigkeit hatten wir (10 Personen) den Hinweis nur zu sechst oder mit nicht mehr als
475 kg bestückt den Aufzug zu benutzen, ignoriert und wunderten uns, warum der Aufzug
nicht losfuhr. Das hinzugeeilte Servicepersonal konnte uns umgehend befreien, einige
missbilligende Blicke jedoch nicht unterdrücken. Aus den Fängen des Aufzuges befreit,
konnten wir uns nun in aller Ruhe der ersten Trainingseinheit am Strand widmen.
Während Werfer und Springer unter der Anleitung von Wolfgang Bender aktiv wurden,
lieferten sich die Läufer Wettrennen mit betagten italienischen Herren. Der Italiener mag
es wohl nicht, von Frauen abgezogen zu werden. Selbst wenn der Italiener im Kreislauf des
Lebens eher auf das Ende zusteuert.
In einem jedoch konnte und wollte uns wohl kein Italiener Paroli bieten. In der
Auseinandersetzung mit dem nassen und noch nicht ganz badefreundlichen Element überlies
uns die einheimische Bevölkerung den Vortritt. Dick eingepackt in Winterjacken und
bestückt mit Mützen und Schals bildeten sie einen netten Kontrast zu unseren bunten
Bikinis und Badehosen. Im Verlauf der Woche wurde der Italiener aber auch zurückhaltender
in der Verwendung von Winterkleidungsstücken.
Die von allen befürchtete Schnellschlingeinlage zur Mittagszeit blieb aus. Der fröhliche
Hüpfer", der gleich einem australischen Beuteltier in die Küche hüpfte, der
stoische Dragan, der kinderliebe Giovanni und der böse Onkel" (Oberkellner),
dem niemand sein freundliches Grinsen abnahm, gaben uns diesmal Gelegenheit, die einzelnen
Gänge anzuschauen, bevor wir sie aufaßen.
Anschauen konnten sich auch die Mitarbeiter des Reinigungsdienstes einen nicht enden
wollenden Sandstrom als Ergebnis unserer wiederholten Strandaufenthalte.
So wechselten sich in einen schier unaufhörlichen Kreislauf von Frühstück - Training - Strandbesuch - Mittagessen - Strandbesuch - Training - Strandbesuch - Abendessen die Tage ab. Und schneller als erwartet, war es wieder Zeit, die Koffer zu befüllen, um die vergnügliche Busfahrt in die Heimat anzutreten. Auf der 14-stündigen Fahrt im Wohlfühlbus kam es nur noch zu kleineren Zwischenfällen (wir wollten den netten alten Mann wirklich nicht mit seiner Gemüsesuppe verbrühen, aber wer konnte ahnen, dass ein plötzlich aufkommender Treibwind es nicht unterlassen konnte, unseren Fußball mit der Tasse des alten Herren kollidieren zu lassen), bis wir endlich wieder Heimatluft schnuppern konnten.
Unbestätigten Angaben zu Folge ist man im Hotel Atilius" bereit, auch im nächsten Jahr die Gäste aus Deutschland wieder aufzunehmen. Hoffentlich sind sie es immer noch, wenn sie in unserem Zimmer das Malheur mit dem Regalbrett entdecken.
Ein Reisebericht von
Maria Schubert
(TuS 1910 Duchroth)